Angst vor der Tagesordnung

28.08.2025 –
22.11.2025

Noa Gur & Susanne Keichel

Angst vor der Tagesordnung widmet sich der anhaltenden rechten Gewalt im wiedervereinigten Deutschland und solidarischen Menschen, die sich unermüdlich für deren Opfer einsetzen.

Konkret erinnert die Ausstellung an Marwa El-Sherbini, die in Dresden von einem Rechtsextremen bedroht wurde und dies im Juli 2009 dort vor Gericht brachte. Das Gericht gab ihr recht, aber unterschätzte die Gefahr im Saal. Dem Angeklagten war es möglich, El-Sherbini im Anschluss an die Tagesordnung zu töten und ihren Ehemann schwer zu verletzen, ein herbeieilender Polizist hielt ihn für den Täter und schoss ihm ins Bein.

Die Künstlerinnen thematisieren das staatliche Versagen und das Abwälzen von Verantwortung und Aufarbeitung.

Susanne Keichel dokumentiert seit 2010 die jährlichen Gedenkfeiern als Dresdner Zeitzeugin El-Sherbinis in einer fotografischen Langzeitbeobachtung. Die Kulisse dieses Gedächtnistheaters voller inszenierter Gesten und Rituale ist Dresden - die wiedererrichtete Kunststadt.

Noa Gur entwickelte eine choreografische Videoarbeit, in der sie die Tat mithilfe von Akteninformationen szenisch bearbeitet und körperlich nachvollzieht. Ihre performative Annäherung ist keine bloße Reinszenierung, sondern ein widerständiges, fragmentarisches Erinnern. Ergänzend zeigt sie ein Archiv aus Zeitungsartikeln aus westlichen Medien, die das Geschehene wie ein Spektakel der Gegensätze abbildeten und dazu beitrugen, dass rechte Gewalttaten bis heute als Einzelfälle unterschätzt werden.

In einem Veranstaltungsprogramm werden Personen weiterer Erinnerungskämpfe aus Theorie und lokaler Praxis mit einander und mit der Ausstellung ins Gespräch kommen.

Kuratiert von Linda Valerie Ewert
Assistenz: Charlotte Uekermann

In Kooperation mit dem Köfte Kosher Gedenkpavillon am Marwa-El-Sherbini-Platz, Bremen

Mit freundlicher Unterstützung der Partnerschaft für Demokratie, der Beate + Hartmut Schaefers Stiftung, dem Senator für Kultur Bremen, Artis, dem Marwa El-Sherbini-Platz e.V. und dem Ulmer Verein für Kunst- und Kulturwissenschaften

 

Susanne Keichel (*1981 in Dresden, lebt in Dresden) studierte nach einer Ausbildung zur Fotografin bei Stefan Thurmann in Hamburg, an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig und schloss ihr Studium als Meisterschülerin bei Prof. Tina Bara ab. Ihre Arbeiten wurden unter anderem auf der 56. Biennale 2015 in Venedig als Teil des offiziellen Rahmenprogramms ausgestellt. Es folgten Ausstellungsbeteiligungen unter anderem im Kunsthaus Dresden, im Kunstraum Düsseldorf und beim „Rundgang 50Hertz“ in Kooperation mit der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin, beim Prager Fotograf Festival und beim EMOP 2023 in Berlin. Susanne Keichel war Artist in Residence im Goethe-Institut Rotterdam und NEUSTARTplus-Stipendiatin des Kunstfonds Bonn. Sie ist Preisträgerin des BMW Photo Award Leipzig 2024 des Museum der bildenden Künste Leipzig und erhielt das Stipendien für Zeitgenössische deutsche Fotografie der der Krupp-Stiftung.

Noa Gur (*1980 in Tel Aviv, lebt in Tel Aviv und Berlin) ist eine interdisziplinäre Künstlerin, die sich mit der Verflechtung von Präsenz und Blick beschäftigt und dabei performative Mittel zur Rekonstruktion einsetzt. Sie stellte unter anderem in der Bundeskunsthalle Bonn, im Tel Aviv Museum of Art, im KIT Düsseldorf, im Museu MAN Nuoro in Italien, in der Braverman Gallery in Tel Aviv, bei Campagne Premiere in Berlin und bei Nir Altman in München aus. Einige ihrer Werke befinden sich in Sammlungen, darunter die Goetz-Sammlung in München, die Maison Européenne de la Photographie in Paris, die Sammlung des Tel Aviv Museum, die Bundeskunstsammlung und Fluentum in Deutschland.

Veranstaltungsprogramm

05.10.2025 Artist Talk
Noa Gur und Susanne Keichel im Gespräch mit Mira Anneli Naß

06.11.2025 Ausstellungsbegehung
mit Seedy Saidykhan und Gilda Kardaß

08.11.2025 Spaziergang vom Marwa El-Sherbini-Platz
in die Ausstellung
Rechte Gewalt erinnern im öffentlichen Raum mit Köfte Kosher

20.11.2025 Gespräch zwischen Sadaf Zahedi und Julia Jaleefar
organisiert von Stoppt Femi(ni)zide Bremen - Netzwerk gegen patriarchale Gewalt

 

Zur weiteren Recherche:

Interview mit Susanne Keichel bei Deutschlandfunk Kultur, 02. 09. 2025

Mehr als eine Gedenktafel: Galerie K-Strich zeigt Schau zum Mord an Marwa El-Sherbini, Review von Katia Backhaus, Syker Kreiszeitung, 29.09.2025

Der Mord an Marwa El-Sherbini - Gegen uns.

In Gedenken an Marwa El-Sherbiny – Institut für Medienverantwortung