

























Tor Pignattara
12.09.2026 –
28.11.2026
Eiko Grimberg, Francisco Valença Vaz, Hannah Wolf, Heidi Specker, Jochen Lempert, Martin Friedrich, Peter Piller
Eröffnung 12.9. | 19:00
Tor Pignattara ist der Name eines Quartiers in Roms östlicher Peripherie. Noch im späten 19. Jahrhundert war die Gegend ländlich. Kleinbauern bauten Gemüse an und züchteten Vieh. Dann entstanden im neoklassischen Stil Wohnhäuser, in deren unteren Etagen Geschäfte eingerichtet wurden. Als Zeugnisse der Antike durchzieht der Rest des Aquädukts Alessandrino den Stadtteil. Nach dem Zweiten Weltkrieg nisteten sich Familien aus dem Süden des Landes unter seinen Rundbögen ein. An der Hauptstraße, der Via Casilina, thront das Mausoleum der Heiligen Helena über den Katakomben, in denen man die Märtyrer Pietro und Marcellino bestattet hatte. Pier Paolo Pasolini führt in seinem unvollendeten Roman Petrolio Carlo, den Manager eines Energieunternehmens, durch die Via di Tor Pignattara, die ihm als Struktur für die moderne Fassung von Dantes Höllenkreisen dient. Heute ist das Quartier volkstümlich, geprägt von riesigen, mythisch-maritimen Wandbildern, linksautonomen Bars und migrantischen Geschäften. An den Ufern des Lago Bullicante leben heute beinahe 50 Arten von Vögeln. Er entstand Anfang der 90er-Jahre, als beim Bau eines Einkaufszentrums ein Bagger eine Grundwasserader verletzte. Die gelbe Straßenbahn, die das Quartier mit der Porta Maggiore, dem Eingang zur Innenstadt, verbindet, ist häufig kaputt. Das Quartier Tor Pignattara selbst ist nicht immer Gegenstand der hier versammelten fotografischen Arbeiten. Es steht als Metapher für die römische Peripherie, die Eroberung von Nischen und die Aneignung antiker Bauten. Diese Nischen, in denen Menschen, Tiere oder Pflanzen sich ihren Raum nehmen, können räumlicher oder zeitlicher Art sein. In den Fotografien von Jochen Lempert und Peter Piller sehen wir Pflanzen (und bei Lempert auch Vögel) im Garten der Villa Massimo oder in einer engen Gasse in Tor Pignattara. Wir sehen sie an einem Ort, der ihnen ermöglicht, zu überleben, in einer Stadt, deren Hitze das Überleben erschwert. Peter Piller fotografiert seine Pflanzen als unterschiedliche Individuen, nebeneinander, gestützt durch allerlei Provisorien. Bei Heidi Specker sehen wir im römischen Stadtteil EUR eine Uhr, in der sich eine Nische in der Zeit bildet, bei Eiko Grimberg Münzen, die auf dem Grund eines Brunnens am florentinischen Bahnhof zum Stillstand kommen. Hannah Wolf hat ihre Aufnahmen unfertiger, städtebaulicher Schichtungen in Roms östlicher Peripherie auf künstlichen Stoff drucken lassen, als durchscheinende Fahnen hängen sie mitten im Ausstellungsraum. Francisco Valença Vaz hat in seiner Collage historische Bauten und Bilder mit Nischen versehen. Martin Friedrich schließlich zeigt in seinen dokumentarischen, schwarzweißen Fotografien die zufällige Zusammenkunft zeitgenössischer und antiker Bauten auf den Brachen der römischen Peripherie.