Luise Marchand
Arbeiten

Zeit ist Geld – Eine Schnecke ist eine Schnecke
Die Zeichen stehen gut
POW - Power Of We

Luise Marchand hat beobachtet, wie Schnecken ihre Körper über Geldscheine und Münzen ziehen, an den Falten und Stapeln hochklettern, voller Vorsicht und Neugierde ihre Fühler ausstrecken. Die Bilder, die sie von diesen Szenen gemacht hat, erinnern mit ihren hellen und flächig organisierten Farben an Stockfotografie. Tatsächlich sind die Aufnahmen der Schnecken in ihrer Landschaft aus Geld gerade unter dem didaktischen Titel Zeit ist Geld zur Illustration von Nachrichten und Werbeanzeigen gut geeignet. Und doch sind die Konstellationen nicht so glatt, wie man vermuten könnte, machen sie allerlei Probleme. Denn es scheint so, als entwickelten Schnecken und Geld einige Eigenschaften, die erst bei ihrem unwahrscheinlichen Aufeinanderstoßen sichtbar werden. Vielleicht ist es vergleichbar mit dieser Reaktion im Mund, die sich einstellt, wenn man ein weichgekochtes Ei mit einem Silberlöffel isst. Schnecken und Geld sind jeweils für sich genommen okay. Ihre Herkunft aus der Natur oder der Zivilisation, pflegt man getrennt zu denken. Luise Marchands Schnecken schleppen sich über die Scheine und Münzen, wie sie es sonst über Gräser und Fallobst tun. Dass sie den warmen und schleimigen, im Ziel schließlich verschlingenden Kontakt ausgerechnet mit Agenten der Marktwirtschaft vollführen, wird sexuell und wirkt verstörend. Geld, also Scheine und Münzen, sind anale Gegenstände. Die kulturelle Praxis, die sie hervorgebracht hat, basiert auf Arbeitsethos und Sparsamkeit. Scheine und Münzen werden festgehalten und angehäuft, selbst noch nach der digitalen Auflösung ihrer papiernen und metallenen Gestalt. Tatsächlich gehören Geldscheine und Münzen nicht der natürlichen Umgebung von Schnecken an und sie gehören auch nicht zu jenem Teil des menschlichen Alltags, für den sich Schnecken interessieren. Sie ziehen sich als unmittelbarster Teil von Natur über den wohl am meisten vermittelten (oder entfremdeten) Teil einer Kultur.

Post-industrial society has lost its grip on notions of work, rest and leisure.The rise of immaterial labour has been met with a growing optimisation of the individual, a continuous variable with multiple presences and temporalities-The prevalence tide of mixed, private- professional engagement forces us to be always, all ways, switched on. What does this mean for our intimate lives, our privacy and our integrity? Our needs and desires are changing, as are our values. Well, the signs, the prospects, the indications are good. Good for what, for whom? Ask the objects that surround us, that serve us and distract us on a daily basis. Objects that perform so that we can too. They help us tend toour delicate, docile bodies so we can stay in the race, multi-tasking and mobile. Carefully compartmentalised, even our te- ars are ergonomic these days. Kinesio tape on the shoulder replaces a warm hand, a touch helping us keep it together. As technologies of self-regulation and -exploitation are condensed and dispersed through our mental, emotion and physical lives, we’d better stay on the good side of these gadgets and tools.

Miriam Stoney

Power Of We

CV

Ausstellungen

2020
POW – The Power of We, HGB Galerie, Leipzig

2017
ACTS OF RESPONSIVNESS, Torrance Shipmann Gallery, New York, USA

2016
Bye Body, Bye, Galerie Greener as Gras, Spinnerei, Leipzig

Ausstellungsbeteiligungen

2020
Verletzbare Subjekte, Zentrum für aktuelle Kunst, Zitadelle, Berlin
Junge Kunst aus Düsseldorf, Stadtgalerie Kaarst, Düsseldorf

2019
Tender Buttons, Künstlerhaus Bremen,

2018
Touch, nGbK, Berlin

2017
Object Lessons, KV Leipzig
Kombi 5, Kunstquartier Bethanien, Berlin
Situationists/Flesh, Fotomuseum Winterthur, Winterthur, Schweiz